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Lernende finden mit Social Media: Was bei KMU funktioniert

Lernende finden mit Social Media: Was bei KMU funktioniert

Die Lehrstelle ist ausgeschrieben, auf der eigenen Website und auf der Lehrstellenbörse. Und dann kommt: nichts. So geht es vielen Betrieben, mit denen wir sprechen. Wer heute Lernende finden will, muss dort sichtbar sein, wo Jugendliche ihre Zeit verbringen: auf Instagram, TikTok und YouTube. Dieser Beitrag zeigt, was dabei für KMU in der Schweiz funktioniert und was nicht.

Wo Jugendliche heute suchen

Eine Lehrstelle sucht man mit 14 oder 15 Jahren selten aktiv auf einem Stellenportal. Man stösst auf einen Beruf, weil ein Video im Feed auftaucht, weil ein Kollege schnuppern war oder weil die Eltern etwas erzählen. Ein Stelleninserat beantwortet die Fragen von Jugendlichen kaum. Es listet Anforderungen auf, wo sie wissen wollen: Wie ist es dort? Sind die Leute nett? Kann ich das?

Kurze Videos beantworten genau diese Fragen. In 30 Sekunden sieht man die Werkstatt, das Team, die Arbeit und den Lernenden, der schon dort ist. Das schafft kein Text.

Wer mitentscheidet: die Eltern

Bei der Lehrstellenwahl reden die Eltern meistens mit. Sie fragen nach Sicherheit, nach dem Ruf des Betriebs und danach, ob ihr Kind dort gut aufgehoben ist. Darum lohnt es sich, zwei Zielgruppen anzusprechen: die Jugendlichen mit kurzen, lebendigen Videos und die Eltern mit Inhalten, die Vertrauen schaffen. Eltern erreicht man eher über Facebook und Instagram, Jugendliche eher über Instagram und TikTok.

Ein Betrieb, der auf Instagram zeigt, wie er mit seinen Lernenden umgeht, hat bei den Eltern schon einen Vorsprung, bevor das erste Gespräch stattfindet.

Was ein gutes Lehrstellenvideo zeigt

Jugendliche prüfen einen Betrieb nach ganz einfachen Punkten. Ein gutes Video beantwortet mindestens zwei davon sichtbar:

Die Arbeit selbst. Was macht man den ganzen Tag? Nicht erklärt, sondern gezeigt: der erste Handgriff am Morgen, das fertige Werkstück am Abend.

Das Team. Wer sind die Leute? Das Znüni, ein Spruch unter Kollegen, der Chef, der kurz vorbeischaut.

Die Lernenden. Niemand ist glaubwürdiger als jemand, der die Lehre gerade selbst macht. Ein Tag aus der Sicht des Lernenden im zweiten Lehrjahr sagt mehr als jede Broschüre.

Was man am Ende kann. Welche Abschlüsse sind möglich, was kommt nach der Lehre? Das interessiert vor allem die Eltern.

Wichtig ist der Ton. Ein Lehrstellenvideo soll nicht wie Werbung aussehen, sondern wie ein Video, das ein Jugendlicher selbst teilen würde: Hochformat, schneller Schnitt, Text im Bild, echte Stimmen.

Muss jemand vor die Kamera?

Nein. Viele Lernende machen gerne mit, aber niemand muss sprechen, wenn er nicht will. Gute Lehrstellenvideos funktionieren auch mit Bildern aus dem Alltag, Textoverlays und Untertiteln. Entscheidend ist, dass es echt aussieht. Gestellte Szenen erkennen Jugendliche sofort.

Wenn Lernende mitmachen: vorher fragen, bei Minderjährigen auch die Eltern. Das gehört sich so, und es schützt den Betrieb.

Vom Video zur Schnupperanfrage

Das Ziel eines Lehrstellenvideos ist nicht die Bewerbung, sondern die Schnupperlehre. Für Jugendliche ist «Bewerbung schreiben» eine hohe Hürde, «einen Tag schnuppern kommen» eine kleine. Darum sollte jedes Video mit einer einfachen Aufforderung enden: Schnuppertag anfragen.

Die Anfrage muss mit dem Handy in einer Minute gehen. Name, Telefonnummer, gewünschter Beruf, fertig. Kein Lebenslauf, kein Motivationsschreiben. Und dann schnell antworten: Wer erst nach einer Woche zurückruft, hat den Jugendlichen oft schon an einen anderen Betrieb verloren.

Organisch posten oder Werbung schalten?

Beides hat seinen Platz. Regelmässige Posts auf dem eigenen Kanal zeigen über Monate, wie der Betrieb wirklich ist. Wer den Betrieb später anschaut, findet dort Vertrauen. Neue Leute erreicht man damit aber nur langsam.

Mit bezahlter Werbung kann man ein Lehrstellenvideo gezielt in der Region zeigen. Bei Jugendlichen unter 18 lässt Meta allerdings nur noch Alter und Ort als Zielgruppe zu. Darum lohnt es sich oft, zusätzlich die Eltern anzusprechen. Für einen kleinen Betrieb reichen für den Anfang einige hundert Franken Werbebudget. Wie das bei Fachkräften aussieht, zeigt unser Beitrag Recruiting Video erstellen: So finden KMU Mitarbeiter.

Der richtige Zeitpunkt ist früher, als man denkt

Viele Betriebe vergeben ihre Lehrstellen für den kommenden Sommer oft schon ab August oder September des Vorjahres. Wer erst im Frühling anfängt, Videos zu posten, kommt für den nächsten Jahrgang oft zu spät. Der beste Zeitpunkt für ein Lehrstellenvideo ist darum jetzt, bevor die Schnupperwochen beginnen.

Ob ein einzelnes Video reicht oder eine kleine Serie besser passt, hängt vom Betrieb ab. Mehr dazu in Imagefilm oder Social Media Videos: Was braucht ein KMU?.

Wenn Sie für den nächsten Sommer Lernende suchen: Wir schauen in einem 30-minütigen Gespräch an, wie ein Video für Ihren Betrieb aussehen könnte.

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Autor: Enis Shaqiri, Inhaber MARU Studio, Winterthur (MA Content Creation & Online Marketing)

Lernende finden mit Social Media | Tipps für KMU